20.10.2020

Knuts Logbuch: Die US-Wahlen haben begonnen!

Über 29 Millionen Wählerinnen und Wähler haben ihre Stimme schon in Wahllokalen oder per Briefwahl abgegeben. Das sind sechsmal so viele wie zur gleichen Zeit im Oktober 2016! Lässt sich daraus ein Vorsprung für das demokratische Präsidentschaftsduo Joe Biden und Kamala Harris ableiten? Klar ist, die Wählerinnen und Wähler sind mobilisiert. Es bleibt spannend!

 

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Die US-Wahlen haben begonnen!

Über 29 Millionen Menschen haben bereits ihre Stimme vorzeitig abgegeben. Das ist mehr als das Sechsfache der Stimmen, die 2016 bis Mitte Oktober abgegeben werden. Es zeigt einen beispiellosen Enthusiasmus im Rennen um das Weiße Haus, den Kongress und die vielen zur Wahl stehenden Ämter auf der Landesebene, sowie den Städten und Kommunen. Im Moment scheint es eine rekordverdächtige Wahlbeteiligung zu werden. 

Das sind nicht etwa alles Briefwähler, nein, es sind die Wahlzettel, die Menschen z.B.:

    • per Post an ihre Wahlkommission geschickt haben.
    • In so genannte Ballet-Boxen, also öffentlich zugängliche Container, werfen. Zusammen knapp 21 Millionen.
    • persönlich in einem Wahllokal abgeben.

Mancherorts stehen Menschen stundenlang -ja bis zu 10 Stunden- in langen Schlangen, um ihre Stimme abzugeben. Es sind nicht nur Demokraten, aber es scheint, als seien die Demokraten unverhältnismäßig stark für die frühe Wahlbeteiligung verantwortlich. Erste Wahlbeobachter sprechen schon von der Möglichkeit, ein Wahlergebnis vor dem eigentlichen Wahltag zu sehen. Das wäre beispiellos und geschichtsschreibend.

 

Jetzt zeigt sich die Stärke der US-amerikanischen Demokratie.

Eine Demokratie, die von vielen Beobachtern schon als erkrankt und schwach eingestuft wurde. Und vielleicht ist sie es auch an manchen Stellen, aber die Stärke einer Demokratie zeigt sich in der Beteiligung der Menschen. Die Erkenntnis, dass “meine” Stimme zählt, dass “meine” Stimme etwas bewegen kann, wird hier spürbar. 

Das widerspricht der durch schlechte Wahlbeteiligungen oft zu recht angenommenen These, dass das individuelle Verständnis von Demokratie verloren geht. Mehrere schwer umkämpfte Bundesstaaten, die Trump 2016 gewonnen hatte, darunter Wisconsin, Michigan und Florida, haben bereits 20% ihrer Gesamtstimmenzahl von 2016 überschritten. Fast 2,5 Millionen Wahlbriefe sind bisher in den Wahlbüros im Bundesstaat Florida eingegangen - das ist fast die Gesamtzahl aller Briefwähler von 2016. UND—heute öffnen in Florida die Wahllokale. Lange Schlangen werden auch dort erwartet. Florida lockt nach CA und TX mit der drittgrößten Anzahl —nämlich 29— Wahlfrauen und -männer im Rennen um die 270 Stimmenmehrheit des Wahlkollegiums. Deshalb zählt hier jede Stimme. 

Ob nun Demokraten oder Republikaner frühzeitig wählen gehen, es ist ein Zeichen starker Begeisterung und großer politischer Partizipation. Und das ist ein Gewinn für diese Demokratie. Experten schätzen, dass von den rund 240 Millionen US-Wahlberechtigten in diesem Jahr 160 Millionen Menschen wählen werden. Das wäre prozentual die höchste Wahlbeteiligung bei einer Präsidentschaftswahl seit 1908. Laut dem U.S. Census Bureau gingen 2016 knapp 137 Millionen Menschen zur Wahl, das entsprach 61,4%.  

In Virginia, Ohio, Georgia und Texas bildeten sich gleich am ersten Tag der frühen Stimmabgabe riesige Schlangen. Von den knapp 17 Millionen Wahlberechtigten in Texas, gaben bereits über vier Millionen Menschen ihre Stimme ab, davon stellten sich 3,5 Millionen in die oft langen Schlangen. Das zeigt, dass sich die Menschen nicht durch die vielen Manöver der Trump-Regierung und Republikanischer Gouverneure abschrecken lassen, von ihrem Wahlrecht gebrauch zu machen. 

 

Es liegt ein “jetzt erst recht” in der Luft und “meine” Stimme soll zählen.  

Donald Trump zielt auf Einschüchterung und wittert und twittert vom großen Wahlbetrug vor allem bei der Briefwahl. Wer da gerade von welcher Partei die meisten Stimmen abgibt ist schwierig vorherzusagen, aber eines ist aus vergangen Jahren bekannt: Demokraten neigen zur frühen Stimmabgabe, während Republikaner mehrheitlich am Wahltag ihre Stimmen persönlich abgeben. Es bleibt also bis mindestens zum Wahltag am 3. November noch sehr spannend. Dennoch, die Momentaufnahme ist ein gutes Zeichen für die Vitalität der Demokratie dieses Landes! 

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