23.03.2022

KNUTS LOGBUCH | Inflation außer Kontrolle? Die USA setzen zur Rettung an

Die USA leiden unter der höchste Inflation seit vier Jahrzehnten. Von Kartoffeln bis zu Autos, sämtliche Preise haben sich dramatisch erhöht. Wie es zu dieser enormen Inflation kam und warum die zentrale Notenbank jetzt reagiert, das erfahrt ihr im neuen Logbuch.

Aufgrund der Covid-19-Pandemie begann die US-Regierung unfassbare Geldsummen bereitzustellen, um die wirtschaftlichen Folgen für Arbeitnehmer und Arbeitgeber zu mindern. Schon im März 2020 wurden so 2 Billionen an Hilfsgeldern bereitgestellt.  Diese Ausgaben führten zu einer hoher Nachfrage, die dann unweigerlich auf eine völlig zerrüttete und unterbrochene Lieferkette prallte. Sprich: es gab zu viel Geld für zu wenig Produkte. Die Inflation stieg. 

Diese hohen Ausgaben haben die USA bis heute zurückgefahren. Doch der gute Arbeitsmarkt lässt die Nachfrage nicht abbrechen obwohl die Lieferketten noch immer am Boden liegen. Die jährliche Inflationsrate erreichte im vergangenen Monat 7,9 % und verzeichnete damit den stärksten Preisanstieg seit 1982.

Ein Blick in die Geschichte der Inflation in den USA

Durch verschiedene Einflüsse (z.B. die Regierungsausgaben für den Vietnamkrieg) stieg die Inflation Ende der 60er Jahre an und wuchs noch dramatischer während der Ölpreiskrisen in den 70er Jahren. Sowohl Richard Nixon, als auch Gerald Ford ließen die Inflation weitgehend ungehindert steigen, was vor allem wahltaktische Gründe hatte. Erst Präsident Jimmy Carter setze einen Mann an die Spitze der Notenbank, der die nötigen Schritte einleitete und den Leitzins Stück für Stück erhöhte. Sein Ziel: Die Inflation verringern und Preisstabilität herstellen. Doch es war viel zu spät und für die Bevölkerung war es ein quälender jahrelang anhaltender Prozess, denn die Inflation hatte Ende der 70er Jahre bereits 10% erreicht und stieg bis 1981 auf 20%. Doch ohne diese Schritte, wäre die Inflation ungebremst weiter gestiegen.  

Was lässt sich heute schon für Morgen prognostizieren?

Das ist die Lehre, die auch der amtierende Notenbankchef, Jay Powell, gezogen hat. Nicht zu lange warten, jetzt die wenn auch unpopulären Schritte einleiten und die Inflation bekämpfen. Kritiker sind bereits zur Stelle und sagen, die Notenbank hat auch in diesem Fall bereits zu viel Zeit verstreichen lassen. Aber es ist eine Gratwanderung, denn Powell versucht die Ausgaben gerade so weit zu drosseln, dass die Preise unter Kontrolle bleiben, ohne die Wirtschaft in eine Rezession zu stürzen. Weitere Zinserhöhungen werden in den kommenden Monaten sehr wahrscheinlich folgen. Die bisher bei fast Null liegen Zinssätze könnten so bis Ende dieses Jahres auf etwa 1,9 % steigen. Der Einmarsch Russlands in der Ukraine führte zu einem starken Anstieg der Benzin- und Getreidepreise, was Powells Vorhaben zusätzlich erschwert.

Ob die Wirtschaft in einer Zeit geopolitischer Unruhen und einer anhaltenden Pandemie steigende Zinsen verkraften kann, ist eine Frage, die heute nicht beantwortet werden kann. “Die Inflation…”, so sagt es auch Jay Powell, “wird wahrscheinlich länger brauchen, um zu unserem Preisstabilitätsziel zurückzukehren, als bisher erwartet”.

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